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Johann Tetzel – Ablassprediger im Namen der Kirche

Johann Tetzel

Foto: C. G. Böhme

Es gab Zeiten, da war es gar nicht so schwierig, sich von Sünden zu befreien. Reue? Die musste man nicht unbedingt zeigen. Man musste lediglich über einige finanzielle Mittel verfügen. Johann Tetzel, geboren um 1460 in Pirna und gestorben am 11.August 1516 in Leipzig, war Ablassprediger. Er gab Luther den Anlass für seinen Thesenanschlag.

 

Mit Sünden lies sich Geld verdienen

Der Ablasshandel der Kirche war bis zum 15. Jahrhundert streng geregelt. Bestimmten Sünden ließen sich mit finanziellen Mitteln und tätiger Reue aus der Welt schaffen. Johann Tetzel macht daraus ein Geschäft. Seine Parole: „Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt „ lies das Geld in den kirchlichen Kassen nur so klingeln. Wie ein Marktschreier verkündete Tetzel: „Wenn ihr mir euer Geld gibt dann werden eure toten Verwandten auch nicht mehr in der Hölle schmoren sondern in den Himmel kommen „ Ein großer Teil des Geldes kam dem Bau des Petersdoms in Rom zugute. Den Rest teilten sich der Ablassprediger und der Erzbischof Albrecht von Brandenburg. Ein Teil der Schulden des Erzbischofes kamen durch die Anhäufung von Ämtern zustande. Die „Vorschrift gegen Ämterhäufung“ regelt eigentlich, wie viele Ämter ein Erzbischof innehaben durfte. Albrecht konnte durch den Ablasshandel von Johann Tetzel unter anderem die Bischofssitze in Halberstadt und Magdeburg und den deutschen Erzbischofsstuhl in Mainz ergattern.

Eigentlich war Johann Tetzel im Erzbistum Magdeburg tätig. Doch auch Bürger aus Wittenberg nahmen den Weg auf sich und kauften sich von den Sünden frei. Martin Luther war das ein Dorn im Auge. Der schändliche Ablasshandel wurde von ihm angeprangert. Seine Vorstellungen von sündigen Menschen, die sich eigentlich einem Leben in Demut widmen sollten, um von Sünden freigesprochen zu werden, wurden gerade zu verhöhnt. Seine 95 Thesen sind die Reaktion auf den Ablasshandel von Johann Tetzel.

 

Das Leben des Johann Tetzel

Johann Tetzel wurde als Sohn eines Goldschmiedes geboren. 1482 begann er ein Studium der Theologie in Leipzig und erwarb 1487 den Baccalaureus artium. Zwei Jahre später trat er dem Dominikanerkloster in Leipzig bei. Bis zum Jahre 1504 war er in Leipzig als Lehrer am Ordensstudium und Prediger tätig. Danach begann er seine „Karriere“ als Ablassprediger. Zunächst führt er die Tätigkeit für den Deutschen Ritterorden aus. Von 1505 bis 1510 war er als Ablassprediger in Sachsen unterwegs. Nah bei Pirna an der Elbe gibt es noch heute ein Tetzelsäule. An diesem Ort soll Johann Tetzel für den Ablass in marktschreierischer Art und Weise gepredigt haben.

1516 hatte Johann Tetzel es schon zum Subkommissar des Bistum Meißens gebracht. Ab 1517 wurde er sogar Generalsubkommissar. Sein Wirken lässt sich nicht nur in Halberstadt und Magdeburg nachweisen, sondern auch in Eisleben, Berlin, Jüterbog, Zerbst und Halle. 1518 kehrte er ins Paulinerkloster nach Leipzig zurück und lebte hier. Eine Ermächtigung von Papst LeoX ernannte ihn zum Doktor der Theologie.

Johann Tetzel starb im Jahre 1519 an der Pest in Leipzig. Hier wurde er im Chor der paulinerkirche begraben.

 

Mit dem Tetzelkasten zu mehr Geld

Johann Tetzel

Foto: EnergyTurn, CC BY-SA 3.0

Der Tetzelkasten war ein einfacher Holzkasten, in welchem das Geld gesammelt wurde. Damit die Menschen sich zum Kauf der Ablasserklärung überreden ließen und auch tief in die Taschen griffen, lies Johann Tetzel einen Teufel, der arme Seelen im Fegefeuer quält, auf den Kasten malen. Die Kästen von Johann Tetzel sind unter anderem in Braunschweig, Annaberg-Buchholz und Jüterbog zu bestaunen.

Übrigens gab es auch zur damaligen Zeit Schlitzohren, die gewiefter waren als Tetzel und die Kirche. So soll es sich in Elm zugetragen haben, dass auf einer der Reisen ein Ritter „von Hagen“ bei Johann Tetzel Ablass erkaufte. Nachdem er diesen für begangene und noch zu begehende Sünden erhalten hatte, raubt er die Ablasskasse und machte sich aus dem Staub. Ähnliches wird aus der Gegend von Berlin und Jüterbog berichtet.

 

 

Karl Stülpner – der Robin Hood von Sachsen

Karl StülpnerKennen Sie noch die Stülpner-Filme mit Manfred Krug? Das Fernsehen der DDR hatte zu Beginn der 70er Jahre die Geschichten aus dem Leben Karl Stülpners verfilmt. Sieben Episoden erzählt vom abenteuerlichen Leben des Wilderers und Schmugglers auf eine unterhaltende Art und Weise. Das Leben des richtigen Karl Stülpner ist sicher nicht ganz so unterhaltsam gewesen. Ein Lebenskünstler war er allemal und er hat der Obrigkeit so manches Schnippchen geschlagen.

Stülpner war ein Deserteur auf Lebenszeit

Geboren wurde Karl Stülpner als Carl Heinrich Stilpner am 30.September 1762 in Scharfenstein, einem heutigen Ortsteil von Drebach im Erzgebirge. Scharfenstein liegt eng an der heutigen tschechischen Grenze. Stülpner war das achte Kind einer Familie von Tagelöhnern und Landarbeitern. Wie es zu dieser Zeit üblich war, musste er das Elternhaus schon frühzeitig verlassen und für seinen Lebensunterhalt selber sorgen. Sein erster Weg ging zu den Musketieren. 1780 ließ sich Stülpner in Chemnitz für acht Jahre von den sächsischen Musketieren anwerben. Aber schon fünf Jahre später hatte er die Nase voll und desertierte 1785 auf dem Rückweg von einem Manöver. Als Deserteur hatte man zur damaligen Zeit kein leichtes Leben. Das unerlaubte Entfernen von der Truppe wurde hart bestraft. Und so war Stülpner in den nächsten Jahren vor allem eins – nämlich auf der Flucht. Während seiner Flucht vor den sächsischen Armeen führte ihn sein Weg von Böhmen über Österreich, Ungarn, Hessen, Baden bis nach Niedersachsen. In Hannover wurde er gegen seinen Willen in einem Dragonerregiment zwangsverpflichtet. Doch auch dort hielt es den Rebellen nicht lange, und nachdem er erneut geflüchtet war, geriet er den Preußen in die Fänge, wo er in ein Infanterieregiment gesteckt wurde. Unter den Preußen nahm er 1792 am Ersten Koalitionskrieg teil. 1793 wurde Karl Stülpner verwundet und nutze diese Verwundung, um erneut zu desertieren. Sein Weg führte ihn zurück ins heimatliche Scharfenstein.

 

Der sächsische Robin Hood lässt grüßen

Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich für all die legendären Geschichten verantwortlich. Bis 1800 lebte Karl Stülpner fast unbehelligt in Scharfenstein. Dabei erwarb er sich einen Ruf als Schmuggler und Wilderer. Die Dorfbewohner behielten Stillschweigen über seine Taten, denn mit seinen Gewinnen aus der Wilderei und Schmugglerei unterstützte er vor allem die Armen und Bedürftigen. Die Bewohner von Scharfenstein beschützen ihn dafür vor dem kurfürstlichen Recht. In dieser Zeit fing Stülpner auch ein Techtelmechtel mit der Tochter des ansässigen Richters an. Johanna Christiane Wolf sollte später seine Frau werden. 1796 gebar sie Stülpner einen Sohn, der aber bereits tot geboren wurde. Drei Jahre später kam die Tochter Johanna Eleonora auf die Welt.

Stülpner kehrte 1800 freiwillig zu den sächsischen Armeen zurück. Wahrscheinlich wollte er damit die Versorgung seiner Tochter sicherstellen. Er verpflichtete sich auf Lebenszeit und durch die Bittschriften von Freunden konnte er der Bestrafung als Deserteur entgehen. Doch lange währte auch dieses Mal sein Aufenthalt in der Armee nicht. Bei der Schlacht bei Jena wurde er 1806 von den Franzosen gefangen genommen. Er konnte aus der Gefangenschaft fliehen. Ein Jahr später erkrankte seine Mutter, die er gern pflegen wollte. Ein Antrag auf Entlassung von Stülpner wurde abgelehnt. Und so machte sich Karl Stülpner wieder Mal allein auf den Weg aus der Armee. Stülpner desertierte nach Böhmen. Die Pflege der Mutter wurde von Christiane Wolf übernommen, die Stülpner nach dem Tod der Mutter folgte und ihn in Böhmen heiratete.

 

Die späten Jahre

Karl Stülpner

Foto: Liesel, CC BY-SA 3.0

Ja, der Stülpner hat sich auch an ehrlicher Arbeit versucht. In Böhmen betrieb er Handel und gründete später eine Zwirnfabrik, die durchaus ein lukratives Einkommen sicherte. Aber lange hielt es Karl Stülpner nicht im Böhmischen. In Sachsen gab es 1813 eine Generalamnestie. Und so kehrte er zurück in seine Heimatstadt und kaufte dort das Haus seiner Eltern. Schon sieben Jahre später musste er allerdings Sachsen wieder verlassen, denn man hatte ihn beim Schmuggel entdeckt. Seine Frau Christiane starb im selben Jahr.

1823 heiratete Karl Stülpner Anna Veronika Ventzora. Aus der Ehe sind zwei Söhne entstanden. Glücklich war er mit Anna aber nicht und so verließ er 1828 seine Frau und kehrte nach Sachsen zurück. In den folgenden Jahren zog Karl Stülpner vor allem durch seine Heimatregion und erzählte seine Geschichten und Legenden. Volkstümliche Schriftsteller griffen seine Erzählungen nur zu gern auf. Und natürlich vermischte sich in den Erzählungen Wahrheit und Traum. 1832 veröffentlichte Karl Stülpner sein erstes Buch, dem noch weitere sowie Theaterstücke und Gedichte folgten. 1835 verkaufte Karl Stülpner seine Lebensgeschichte an den Verlag Schönberg. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung wurde das Buch verboten. Die vor Gericht erstrittene Entschädigung konnte ihn nicht vor der Armut schützen. Die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte Karl Stülpner krank. Versorgt wurde er aus der Armenkasse. Am 24. September 1841 starb Karl Stülpner im Alter von 79 Jahren in Scharfenstein. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Großolbersdorf und ist noch heute zu besichtigen.

 

 

Karl May – der beliebteste deutsche Schriftsteller

Karl May und FrauWer kennt nicht Karl May und seine Bücher? Winnetou, Old Shatterhand oder Kara Ben Nemsi sind die Helden vieler Kindheiten. Aufgewachsen mit Hadschi Halef Omar, Sam Hawkens oder Old Firehand waren wir Indianer, Cowboys, Böswichte und wilde Reiter. Karl May ist wohl bei den meisten Menschen Teil der Kindheit und auch heute noch gehören die Bücher des Schriftstellers zu den meist verkauften.

Vom Gauner zum Schriftsteller

Carl Friedrich May wurde am 25. Februar 1842 in Ernstthal, dem heutigen Hohenstein-Ernstthal, geboren. Damals wusste noch niemand, dass er einst zu den berühmtesten und meistgelesenen Schriftstellern Deutschlands gehören würde. Er war als fünftes Kind von vierzehn in einer sehr armen Weberfamilie geboren. Neun seiner Geschwister starben bereits in den ersten Lebensmonaten.

Karl May hatte schon als Kind sehr viel Fantasie und wurde deshalb früh gefördert. Er erhielt Musikunterricht. Sein erstes Geld verdiente May als Kegeljunge. Dort lernte er auch die Heimkehrer aus der neuen Welt kennen, die blumigen Geschichten mitbrachten.

1856 begann May sein Studium als Proseminarist beim Lehrerseminar. Dort wurde er 1859 wegen Unterschlagung angeklagt. Sein Weiterstudium erfolgte in Plauen. Allerdings hielt es May auch hier nicht lange aus. Nach dem Diebstahl einer Taschenuhr und der anschließenden Haftstrafe war er als Lehramtskandidat ausgeschlossen. In den folgenden Jahren versucht Karl May sich mit ehrlicher Arbeit über Wasser zu halten. Das gelang ihm allerdings nicht und er wendete sich wieder der Gaunerei, Hochstapelei und des Betruges zu. Schon bald wurde Karl May steckbrieflich gesucht und musste dreieinhalb Jahre im Zuchthaus verbringen. Hier begann seine Schriftsteller Karriere. Er wurde zum Schreiber für den Gefängnisinspektor ernannt und übernahm die Erstellung von Fachaufsätzen. Für seine zukünftige Karriere als Schriftsteller legte er eine Liste mit über hundert Titeln an. Einige hat er davon wirklich umgesetzt.

Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus widmete sich Karl May endgültig der Schriftstellerei. Noch im selben Jahr wurde seine erste Erzählung veröffentlicht. Er schrieb aber auch für Zeitungen und Verlage. Diese Aufträge sicherten ihm die Existenz, sodass er sich der Schreiberei unbesorgt widmen konnte. Im Jahre 1880 begann er mit dem Schreiben des Orientzyklus. Nebenbei schrieb er weiter für Zeitungen und verwendete dabei zahlreiche Synonyme. So konnte er sich die Texte mehrfach vergüten lassen.

Karl May begegnete 1882 Münchemeyer wieder. Für ihn erstellte er den ersten Kolportageroman. Das Buch „Das waldröschen“ wurde hunderttausendfach gedruckt. May hatte aber mit Münchermeyer lediglich einen mündlichen Vertrag geschlossen. In den folgenden Jahren kam es deshalb immer wieder zu Rechtstreitigkeiten zwischen den beiden. 1888 zog Karl May nach Radebeul und fand Kontakt zum Jungverleger Friedrich Ernst Fehsenfeld. Die ser wollte Mays Werke als Buch herausbringen. Die 1892 veröffentlichte Reihe Carl May´s gesammelte Reiseromane brachten ihm zum erstem Mal Ruhm und vor allem finanzielle Sicherheit ein.

In den folgenden Jahren verschwamm bei May immer mehr die Grenze zwischen Realität und Fantasie. Bald wusste er sie selber nicht mehr zu unterscheiden. Er behauptete, die Geschichten alle wirklich erlebt zu haben und selber Old Shatterhand zu sein. Sogar die legendären Gewehre ließ er von einem Büchsenmacher aus Kötzschenbroda anfertigen. Bärentöter, Silberbüchse und Henrystutzen befinden sich heute im Karl May Museum. In den späteren Jahren wurde es immer schlimmer. So erklärte er unter anderem, dass er 1200 Sprachen und Dialekte beherrsche. Er gab sich als Nachfolger Winnetous und Befehlshaber über 35.000 Apachen aus.

Obwohl Karl May viel über andere Länder geschrieben hat, unternahm er zum ersten Mal 1899 eine Reise in den Orient. Anderthalb Jahre sollte die Reise dauern, die er zum größten Teil allein absolviert hat. Erst später kam seine Frau und ein befreundetes Ehepaar hinzu. Während der Reise soll May zwei Mal einen Nervenzusammenbruch gehabt haben. Es wird vermutet, dass May mit der Realität nicht zurechtkam.

Nach seiner Reise in den Orient kehrte Karl May sich ernsteren Themen zu. Er glaubte, die Frage nach dem Sein beantworten zu müssen. Am 22.Mai hielt Karl May noch eine Rede in Wien vor dem Akademischen Verband für Literatur und Musik. Am 30.Mai 1912 starb Karl May an Herzparalyse, Bronchitis, Asthma.

 

Karl May war und ist einzigartig

Allein die deutschsprachigen Auflagen seiner Erzählungen, die im Orient und im Wilden Westen spielen, überschreiten bei Weitem die 100 Millionen. Weltweit wurden sogar 200 Millionen Bände verlegt. Übersetzt wurden seine Bücher in etwa 40 Sprachen. Die Bücher von Karl May haben in Ungarn, Niederlanden, Mexiko, Tschechien und sogar Indonesien viele Anhänger. Karl May veröffentlichte seine Erzählungen unter verschiedenen Synonymen, unter anderem als Hobble-Frank, Karl Hohenthal, Emma Poller, P. van der Löwen und vielen anderen. Viele seiner Bücher sind inzwischen verfilmt wurden. Karl May ist bekannt. Lediglich in Frankreich, den USA und England hat man keine Ahnung von ihm und seinen Büchern. Eigentlich grotesk angesichts der Tatsache, dass einige seiner Bücher in Amerika spielen.

 

 

 

 

Gottfried Silbermann – der berühmteste Orgelbauer des Barock

Silbermannorgel

Foto: Schwittus

Am 14.Januar 1683 wurde in Kleinbobritzsch Johann Gottfried Silbermann geboren, der zum berühmtesten Orgelbauer des Barock werden sollte. Aber Johann Gottfried Silbermann schuf nicht nur Orgeln. Auch besaitete Tasteninstrumente gehörten zu seinem Repertoire. Die Einzigartigkeit und hochwertige Qualität der Orgeln lies diese allerdings in den Vordergrund rücken. Leider ging der Erfindungsreichtum Silbermanns und alle die anderen Entwicklungen über die Jahre dadurch verloren. Lediglich drei seine Hammerflügel sind heute noch erhalten.

Silbermann wurde als jüngster Sohn des Zimmermanns Michael Silbermann geboren. Der Orgelbau liegt nicht in der Familie, denn sein Großvater war Bauer und sein Urgroßvater Häusler. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie ins benachbarte Frauenstein. Silbermann erlernte wahrscheinlich das Handwerk des Schreiners, folgte aber seinem Bruder Andreas 1702 nach Straßburg und erlernte dort gemeinsam mit ihm das Handwerk des Orgelbaus. In Straßburg baute er zusammen mit Andreas vier Orgeln. Hier kam er auch mit der französisch-elsässischen Orgelkultur in Berührung.

1710 kehrte Johann Gottfried Silbermann als Meister nach Sachsen zurück. Der Thomaskantor Johann Kuhnau lernte den jungen Orgelbauer in Leipzig kennen und war von seinen Kenntnissen begeistert. Seiner Fürsprache hat Silbermann es zu verdanken, dass er schnell in Sachsen bekannt wurde. 1711 eröffnete er eine Werkstatt in Freiberg und begann mit dem Bau der Silbermannorgel im Freiberger Dom. Silbermann hatte aber nicht nur beim Orgelbau ein goldenes Händchen, sondern war auch in der Lage, gute Geschäfte zu machen. Für die damalige Zeit war er für einen Orgelbauer ungewöhnlich reich. Schnell hatte er sich eine Monopolstellung geschaffen, die kein anderer Orgelbauer erreicht hat. Im Jahre 1723 erhielt er von August II. die Auszeichnung „königlicher Hoff- und Land-Orgel-Bauer“. An Aufträgen aus dem Ausland hatte er kein Interesse. Diese lehnte er immer ab. Sein Wirken beschränkte er ausschließlich auf Sachsen.

1749 erkrankte Silbermann. Die Orgel in Frankenstein wurde von seinen Mitarbeitern erbaut, den Orgelbau in der katholischen Hofkirche Dresden übernahm sein Schüler Zacharias Hildebrandt. Am 04.August 1753 verstarb Silbermann wahrscheinlich an den Folgen einer Vergiftung durch Zinn und Blei. Er wurde auf dem Johannisfriedhof in Dresden beigesetzt. Sein Grab ist nicht erhalten.

 

Nicht nur die Silbermannorgel erinnert an Johann Gottfried Silbermann

Johann Gottfried Silbermann hat wie kein anderer Orgelbauer die Orgelregion Sachsen geprägt. Orgeln in Dresden, Chemnitz, Freiberg, Großkmehlen und vielen anderen sächsischen Städten sind auch heute noch erhalten. Das Markenzeichen der Orgeln ist eine unverkennbar klare Linie in der äußeren Form und der Musikgestaltung. In den ersten Jahren seines Schaffens ließ Silbermann sich vor allen von der französischen Klassik beeinflussen, später brach er mit der Tradition.

Silbermann ist aber nicht nur für seine Silbermannorgel bekannt und berühmt. Er baute auch besaitete Tasteninstrument wie den Hammerflügel, Cembali und Clavichorden. Silbermann entwickelte die Instrumente auch weiter. Immer wieder führte er Neuerungen ein, vervollständigte und verbesserte die Technik und komplettierte die Musikinstrumente.

Während seiner Wirkungszeit bildete Johann Gottfried Silbermann zahlreiche Schüler aus. Sein bekanntester Schüler ist Zacharias Hildebrandt, welcher den Orgelbau in der Hofkirche zu Dresden beendete.

 

 

August der Starke – die schillerndste Figur Sachsens

August der StarkeKaum eine andere Persönlichkeit hat die Entwicklung Dresdens so sehr beeinflusst wie August der Starke. Seine Sucht nach Prunk und Aufsehen rief schon bei seinen Zeitgenossen Aufsehen hervor. Seine unermessliche Stärke wurde in vielen Geschichten beschrieben. Und August ohne pompöse Feste wäre gar nicht denkbar. Auch weit nach seinem Tod hat dieser Mann einen legendären Ruf, der nur von wenigen Persönlichkeiten noch übertroffen wird. Sein Leben erregte auch nach seinem Tod noch so manche Fantasie und ließ viele Legenden und Sagen entstehen.

Unverhofft zum Kurfürsten Sachsens

Friedrich August I. erblickte am 12.Mai 1670 am Vormittag gegen 9:00 Uhr das Licht der Welt. Als Zweitgeborener des kurfürstlichen Paares Johann Georg III. von Sachsen und Anna Sophie von Dänemark war sein Weg eigentlich nicht für die Herrscherstellung in Sachsen bestimmt. Die Thronfolge sollte sein älterer Bruder antreten. August konnte die Freiheiten des Hofes genießen und reiste durch viele Länder. Diese Reisen sollten sein ganzes Leben bestimmen. Vor allem der Prunk am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. beeindruckten August. Diesem Glanz und Glamour versuchte August zu allen Zeiten nachzueifern. Aber auch die Reisen nach Italien prägten seinen Sinn für Kunst.

Am 27.04.1694 erreichte August unverhofft die Nachricht vom Ableben seines Bruders Johann Georg IV. Ein verhängnisvoller Kuss war dafür verantwortlich, dass August nun den Thron bestieg. Johann Georg IV hatte seine sterbende Mätresse auf dem Totenbett geküsst und sich dabei selber mit den Blattern infiziert. Mit gerade einmal 24 Jahren bestieg Friedrich August I. den kursächsischen Thron und eröffnete damit eine Ära, die einzigartig sein sollte.

 

Das Augusteische Zeitalter nahm seinen Lauf

Die Regierungszeit des sächsischen Kurfürsten und seines Sohnes Friedrich August II. wird als Augusteisches Zeitalter bezeichnet. August der Starke hatte für Sachsen den Eintritt in die europäische Politik geplant und wollte das Fürstentum als dritte Großmacht Deutschlands sehen. Neben dem habsburgischen Österreich und Brandenburg-Preußen sollte Sachsen einen unsterblichen Namen und Macht erhalten. Seine Ernennung zum König Polens war dabei eine wichtige Etappe. Und dafür scheute August der Starke keine Mühen. Um sein Ziel zu erreichen, musste er aber zwei Hindernisse überwinden. König von Polen konnte nur ein Katholik werden und es gab noch reichlich Kurrenten, die ebenfalls die Königswahl gewinnen wollten. Im Gegensatz zu Sachsen und Frankreich wurde in Polen nicht der Thron vererbt, sondern durch die Königswahl besetzt. Heimlich konvertierte August am 01.Juni 1697 zum katholischen Glauben. Um die Wähler für sich zu gewinnen, flossen große Summen an Bestechungsgeldern. Und auch seine Wahlpropaganda zeigte Erfolg. In der Nacht vom 26. auf den 27.Juni 1697 wurde August der Starke zum polnischen König ausgerufen und am 15.September 1697 zum König gekrönt.

 

August der Starke liebte Prunk und Glanz

August der Starke lernte schon auf seinen Reisen bei der obligatorischen Grand Tour die Machtentfaltung an den Höfen Europas kennen. Vor allem der Sonnenkönig hatte es ihm angetan. Während seiner Zeit versuchte August immer, diesen Prunk auch nach Sachsen zu bringen. Er wurde zum Förderer für Kunst und Architektur. Prächtige barocke Bauwerke entstanden, Erfindungen auf künstlerischem und technischem Gebiet wurden gefördert und einzigartige Kunstsammlungen wurden nach Dresden gebracht.

Aber auch sein ausschweifender Lebenswandel wurde zum Zeugnis seiner Zeit. Es gab wohl kaum ein Fest, das nicht über Tage oder gar Wochen ging. Dafür war natürlich viel Geld notwendig, welches das Volk zahlen musste. Mit hohen Steuern und einer eisernen Politik beschafft August der Starke sich das notwendige Geld.

Sein rücksichtsloser Umgang mit Untergebenen trübt sein heutiges Bild. Wer in Ungnade fiel, musste mit Festungshaft rechnen. Seine Gattin Markgräfin Christiane Eberhardine litt in all den Jahren unter den zahlreichen Mätressen, die August der Starke sich leistete.

 

War August der Starke wirklich so stark?

Den Beinamen „der Starke“ erhielt August nicht nur wegen seiner körperlichen Stärke. Mit 1,76 m war August für die damalige Zeit sehr groß. Seine körperliche Kraft wurde in zahlreichen Zeugnissen belegt. Er verbog Hufeisen und Geldstücke und hinterließ einen Fingerabdruck am Geländer der Brühlschen Terrasse. Doch auch sein herrisches und unberechenbares Wesen ist Grund für den Beinamen.

Von den unzähligen Geschichten, die sich um August den Starken ranken, werden Sie auch hier auf dem Sachsen Blogger noch lesen.