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Wer hat den Kaffeefilter erfunden? Natürlich die Sachsen.

KaffeefilterWir schreiben das Jahr 1908, als die Hausfrau Melitta Bentz sich einen ihrer viel geliebten Kaffees während der Hausarbeit gönnt. Doch als der Kaffee zur Neige geht, verzieht sie angewidert das Gesicht. Sie hatten den ganzen Mund voller Kaffeesatz – einfach nur eklig. Das musste jetzt ein Ende haben.

Kaffee kochen ging um die Jahrhundertwende etwas anders vor sich. Das Kaffeepulver wurde ins Wasser geworfen, das ganze aufgekocht und anschließend durch ein Sieb geschüttet. Klar, dass dabei so manches Kaffeekorn sich seinen Weg durch das Sieb bahnte und in der Kaffeetasse landete. Oder man schüttete den Kaffeesud durch einen muffigen Stoffbeutel, der vielleicht etwas besser filterte, aber dafür den Geschmack beeinflusste. Hin wie her, wer Kaffee trinken wollte, musste sich mit dem Kaffeesatz abfinden.

 

 

Die Erfindung des Kaffeefilters

Diesmal hatte Frau Melitta Bentz aber die Nase voll. Sie wollte endlich ordentlichen Kaffee trinken. Und so wühlte sie im Schulranzen ihres Sohnes und holte ein Löschpapier hervor. Sie schnitt einen kleinen Kreis aus dem Löschpapier. In den Boden einer sauberen Blechdose schlug sie mit Hammer und Nägel viele kleine Löcher. Den Kreis aus Löschpapier legte sie auf den Boden und setzte die Konstruktion auf eine Kaffeekanne. Der Kaffee kam in den gebastelten Filter, auf den sie Wasser kippte. Der erste Kaffeefilter war geboren und endlich gab es auch Kaffee ohne Satz. Die Idee fand schnell auch im Freundeskreis Anklang. Und so entschied sich die gewitzte Hausfrau, die Erfindung zu vermarkten. Am 08.Juli 1908 erteilte das kaiserliche Patentamt den Gebrauchsmusterschutz. Am 15. Dezember 1908 wurde mit einem Startkapital von 73 Pfennig das Unternehmen M. Bentz, Marschallstraße 31 ins Handelsregister eingetragen. Der Firmensitz war vorerst ein Zimmer von 40 m² in der Bentzschen Wohnung.

 

Frau Melitta Bentz – eine Sächsin mit Witz

KaffeefilterAm 31.Januar 1873 in Dresden geboren war Frau Bentz vor allem Hausfrau. Viel ist über die erfinderische Dame leider nicht bekannt. Doch ihr Geschäft wusste Frau Bentz zu leiten. Im Jahre 1909 stellte die Dame ihren Kaffeefilter auf der Leipziger Messe aus. Ganze 1200 Filtriergeräte wurden verkauft. Aus der Dresdnerin Melitta Bentz wurde in nur wenigen Wochen eine anerkannte Unternehmerin und Erfinderin. Die ersten Filter wurden in Handarbeit hergestellt. Nebenbei forscht Frau Melitta Bentz immer noch weiter, denn das anfangs benutzte Löschpapier war nicht ideal. 1919 gab es zu den Filtern aus Aluminium auch die ersten Filter aus Porzellan. Über 100.000 Filter hatte das Unternehmen bis Mitte der 1920er Jahre produziert. Ab 1925 wurde die Packung in der noch heute typischen rot-grünen Kombination gestaltet, um sich vor Nachahmern zu schützen.

1927 waren die Betriebsstätten in Dresden viel zu klein geworden. Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltete sich schwierig und so siedelte das Unternehmen nach Minden Westfalen um.

Edward Two-Two – ein Sioux-Häuptling in Dresden

Sioux-Häuptling Two-Two

Foto: SchiDD, CC0 1.0

Auf dem Äußeren Katholischen Friedhof in Dresden befindet sich ein Grab, auf dessen Grabstein steht:

Sioux Häuptling

Edward Two-Two

1851 – 1914

Es ist ein schlichtes Grab mit einem Grabstein aus Sandstein, viel Grün, einer kleinen amerikanischen Flagge und der Inschrift „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten“. Aber was macht ein Indianer vom Stamm der Lakota-Sioux in Dresden? Mit Karl May hat das nichts zu tun, auch wenn die Lebenszeit passen würde. Edward Two-Two war ein echter Sioux, der dem Leben im Reservat einfliehen wollte.

Sioux-Häuptling Edward Two-Two auf der Flucht vorm Reservat

Edward Two-Two lebte in einer Zeit, in welcher der Umbruch in den Weiten der Prärie stattfand. Eigentlich war er mit seinem Stamm den Oglala in den Prärien des mittleren Westens beheimatet. Die Oglalas waren nicht sesshaft, zogen durch das Land und lebten von Büffeln. Mit den Siedlern kam aber die Einschränkung. Die Indianerstämme kämpften um ihr Land und sie unterlagen. In dieser Zeit lebte Two-Two mit seiner Familie. Two-Two, der noch die Ideale der Indianer in sich trug, versuchte sich dem neuen Leben im Reservat anzupassen. Er wurde Soldat und später Reservatspolizist. Glücklich wurde er damit nicht. Die Indianer mussten in Hütten leben, englisch sprechen und bekamen einmal in der Woche, am sogenannten „Ration Day“ Lebensmittel. Viele verfielen dem Alkohol.

Sioux Häuptling Two-Two kommt nach Deutschland

Grab Sioux-Häuptling Two-Two

Foto: SchiDD, CC0 1.0

Der Sioux Häuptling Two-Two versucht weiter nach den Idealen seiner Urahnen zu leben und genau diese Möglichkeit verschaffte ihm unverhofft eine Reise nach Europa. Hier, wo man das Leben der Indianer noch idealisierte und Vorstellungen von „frei und wild“ hatte, hatten europäische Geschäftsleute den Gedanken, die Indianer in einer Völkerschau zu präsentieren. Im Hamburger Zoo Hagenbeck sollte das Leben der Indianer gezeigt werden. Und so kam Two-Two mit seiner Frau und seiner Enkelin 1910 nach Deutschland. Das Leben im Reservat entsparch natürlich nicht den Vorstellungen deutscher Geschäftsleute. Der Sioux-Häuptling Two-Two wurde aus einem extra dafür angelegten Fundus mit Federschmuck und der typischen Indianerbekleidung ausgestattet. Die Indianer mussten auf der Bühne und abseits der Vorstellungen in Tipis wohnen und das Leben der Indianer führen, wie Deutsche es sich vorstellten. Nach Ablauf des Vertrages kehrte der Sioux-Häuptling Two-Two in seine Heimat zurück, immer von dem Gedanken beseelt, so schnell wie möglich wieder nach Deutschland zu reisen.

Sioux-Häuptling Two-Two wird vom Zirkus Sarrasani verpflichtet

1913 kehrt Eduard Two-Two mit seiner Frau und seiner Tochter nach Deutschland zurück. Der Sioux-Häuptling wird vom Zirkus Sarrasani verpflichtet. Übrigens wird Two-Two erst hier zum Häuptling erhoben. Mit prachtvollem Federschmuck reitet er durchs Dresdner Zentrum und wird von den Jubelrufen der Zuschauer begleitet. Mit seiner mächtigen Statur und dem vom Wetter gegerbten Gesicht wird er zum Star der Manege. 1914 stirbt er während einer Tournee in Essen. Eigentlich mussten tote Indianer zurück in ihre Heimat gebracht werden. Doch der letzte Wunsch Two-Twos war es, in Dresden beerdigt zu werden. Und so reiste der Zinksarg nicht nach Amerika, sondern nach Dresden, wo er auf dem Äußeren Katholischen Friedhof beigesetzt wird. Seine Frau und seine Tochter fliehen nach England und reisen von dort zurück in die Heimat ihrer Vorfahren.

Sioux-Häuptling Two-Two versuchte ein würdiges Leben zu führen

Nicht ohne Grund hatte Two-Two sich für ein Leben im Deutschland entschieden. Hier durfte er, wenn auch nur im Rahmen eines Zirkus, das Leben eines Indianers führen, ohne von Reservaten eingeengt zu sein. Als Indianer war er anerkannt. Gern erfüllt er die Illusionen des Publikums und damit auch ein Stück seiner eigenen. Erst 1926 erhielt das Grab einen Grabstein und einen Hinweris auf die letzte Ruhestätte des großen „Häuptlings“. Lange Zeit war das Grab in Vergessenheit geraten. Im Jahre 2000 wurde die Grabstätte vom Dresdner Hartmut Rietschel vor dem Einebnen bewahrt.

Die Dresdner Regisseurin Bettina Renner hat sich auf die Suche nach den Nachfahren des Indianers gemacht und die Geschichte im Film „Begrabt mein Herz in Dresden“ festgehalten.