Archiv des Autors: Rico Werner

Rabenstein: Erholung für die Chemnitzer und ihre Gäste

Burg RabensteinChemnitz hat immer noch den Ruf des hässlichen Entleins unter den sächsischen Großstädten. Dabei gibt es auch hier viele schöne Ecken zu entdecken. Beispielsweise den Stadtteil Rabenstein, eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Chemnitzer und ihrer Gäste. So ist es fast schon schwierig, an Wochenenden oder Feiertagen bei schönem Wetter einen Parkplatz zu finden. Rabenstein liegt im Westen der Stadt im Landschaftsschutzgebiet „Rabensteiner Wald“. Über die A72 bzw. die A4 (Abfahrt Limbach-Oberfrohna/Chemnitz-Rabenstein) oder aus der Innenstadt heraus mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Stadtteil gut erreichbar.

Erstmalige Erwähnung fand der Ort im 12. Jahrhundert als „Herrschaft Rabenstein“. In dieser Zeit wurde auch die Burg errichtet. Im Laufe der Zeit bildeten sich die beiden Ortsteile Ober- und Niederrabenstein heraus. Während Oberrabenstein eher dörflich blieb, entwickelte sich im 19. Jahrhundert in Niederrabenstein Industrie. Strickhandschuhe und Strumpfwaren wurden hier hergestellt. Außerdem gab es eine Brauerei und eine Branntweinbrennerei. 1950 wurde Rabenstein von Chemnitz eingemeindet.

 

Natur und Historisches

Die bereits erwähnte Burg ist so etwas wie der Mittelpunkt des heutigen Naherholungsgebiets Rabenstein. Sie ist die kleinste mittelalterliche Burg Sachsens. Heute bietet das Objekt Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen. In der Unterburg ist Platz für Familienfeiern in historischer Umgebung.

Gleich neben der Burg befindet sich das von Johann Georg Siebert erbaute barocke Schloss. Aufwendig renoviert beherbergt es ein Integrationshotel und ist bekannt für sein Restaurant mit hervorragender Küche.

Naturhistorische Entdeckungen können in den Felsendomen Rabenstein gemacht werden. Im sanierten Schaubergwerk sind die hier relativ kleinen Stalagmiten und Stalaktiten zu sehen. Wer sich traut, ist herzlich zum Höhlentauchen eingeladen. Aber auch trauen lassen kann man sich hier. Ein wahrlich ungewöhnlicher und unvergesslicher Ort für eine Hochzeit!

 

Wandern, Sport und Ausspannen

Schloss RabensteinNatürlich lädt der „Rabensteiner Wald“ zu einer kleinen Wanderung oder Radtour ein. Entlang einer ehemaligen Bahnstrecke führt ein Panoramawanderweg mit tollen Ausblicken über Chemnitz und das Erzgebirge. Dieser Weg führt über eine der ältesten Stahlbaubrücken Deutschlands. Das unter Denkmalschutz stehende Viadukt ist 150 Meter lang und 23 Meter hoch. Der letzte Zug fuhr hier bereits 1950.

Wer es lieber tierisch mag, besucht den Tierpark, der im Volksmund „Pelzmühle“ heißt. Hier hat man sich auf vom Aussterben bedrohte Tierarten spezialisiert. Direkt nebenan ist der beliebte Pelzmühlenteich. An dessen Ufer ist in und an einem modernen Ausflugsrestaurant für das leibliche Wohl der zahlreichen Ausflügler gesorgt.

Eine Mischung aus Action und Entspannung bietet der Stausee Oberrabenstein, volkstümlich die „Badewanne der Chemnitzer“ genannt. Auf einer Wasserfläche von ca. 6,5 Hektar wird geschwommen, gerudert oder mit einem Wassertreter gegondelt. Ein Highlight ist die 84 Meter lange Rutsche. Volleyballplätze oder Tischtennisplatten sind für Sportbegeisterte vorhanden. Sonnenanbeter legen sich einfach entspannt an den 400 Meter langen Strand. Wer länger bleiben möchte, kann sich auf dem nicht weit entfernten Campingplatz „häuslich“ einrichten.

Viel Spaß in Chemnitz-Rabenstein!

Meißen – „die Wiege Sachsens“

MeißenDie Kreisstadt des Landkreises Meißen liegt nordwestlich von Dresden zwischen der Landeshauptstadt und der Lommatzscher Pflege. Idyllisch schmiegt sich Meißen an das Ufer der Elbe und deren Nebenfluss Triebisch. Auf knapp 31 Quadratkilometern verteilen sich etwa 28.000 Einwohner.

Die Stadt ist bereits über 1000 Jahre alt. Die geschichtlichen Anfänge liegen im Jahr 929, als die Burg „Misuia“ von König Heinrich I. gegründet wurde. Meißen wurde schnell zum Mittelpunkt der gleichnamigen Grenzmark und gilt seither als die „Wiege Sachsens“. Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich Meißen zur Stadt, 1332 wurden die Stadtrechte verliehen. Die „Markgrafschaft Meißen“ existierte bis 1423. Danach wurde dieser Begriff durch „Sachsen“ ersetzt.

Die Albrechtsburg wurde ab 1470 als erstes deutsches Stadtschloss unter der Leitung des sächsischen Landesbaumeisters Arnold von Westfalen errichtet. Sie prägt bis heute gemeinsam mit dem Dom das Stadtbild. Diesen erbaute man ab 1250. Die Westtürme wurden erst 1909 fertiggestellt, nachdem sie Mitte des 16. Jahrhunderts schon einmal durch einen Blitzschlag zerstört wurden. Ein weiteres berühmtes Bauwerk ist das Kloster St. Afra, das um die schon ältere Kirche gleichen Namens errichtet wurde. Bischof Dietrich II. von Kittlitz gründete dort 1205 das Augustiner-Chorherrenstift. In der Zeit der Reformation wurde es verweltlicht und 1543 in den Gebäuden die erste sächsische Fürsten- und Landesschule gegründet. Heute werden hier u. a. Hochbegabte im Sächsischen Landesgymnasium St. Afra gefördert.

Bekannt war die sächsische Stadt zunächst für die Tuchmacherei. Doch denkt man an Meißen, fällt einem zuerst das berühmte Meißner Porzellan ein. Die erste Porzellanmanufaktur wurde 1710 unter August dem Starken eröffnet und wurde zu einer unvergleichlichen Erfolgsgeschichte.

MeißenIm Zweiten Weltkrieg hatte Meißen kaum Zerstörungen zu beklagen. Daher ist die mittelalterliche Grundform der Altstadt heute noch gut erhalten. Auch die Neugründung des Freistaates Sachsen ging am 3. Oktober 1990 von der Albrechtsburg in Meißen aus.

Neben den bereits erwähnten Gebäuden gibt es zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten. Die Altstadt ist geprägt von Höfen, Passagen und Weinkellern. Dort wird natürlich Meißner Wein kredenzt. Bereits 1161 wurde der Weinbau in und um Meißen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Weiterhin empfiehlt sich ein Besuch im Haus Meißen. In einer Schauwerkstatt kann hier der Porzellanherstellung zugesehen werden, weiterhin gibt es eine Ausstellung zur über 300-jährigen Porzellangeschichte.

In der ehemaligen Franziskanerklosterkirche befindet sich das Stadtmuseum, das sich mit der Stadtgeschichte befasst. Ausgestellt ist z. B. die älteste Weinpresse Sachsens.

In der ältesten noch existierenden sächsischen Pianofortefabrik gibt es im Thürmer Pianoforte-Museum restaurierte Instrumente ab dem Jahr 1834 zu bestaunen. Das Haus bietet außerdem Kammerkonzerte für einen kleinen Hörerkreis von bis zu 80 Personen.

Daneben bieten sich Touren auf dem Elberadweg, in die umliegenden Weindörfer oder auf der Elbe mit der Sächsischen Dampfschiffahrtsgesellschaft an. Außerdem gibt es in Meißen das ganze Jahr über Veranstaltungen. Dazu gehören der Töpfer- und Grafikermarkt, das Literaturfest und die Meißner Kneipennacht im Frühjahr, das Weinfest im September, der Elbtalweinlauf im Oktober sowie die Meißner Weihnacht am Ende eines jeden Jahres.

 

 

Ein Streifzug über die Dresdner Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmarkt DresdenSchnee rieselt vom Himmel herab, es riecht allerorten nach Glühwein, Punsch, Bratwurst und gebrannten Mandeln, im Hintergrund erklingt Weihnachtsmusik, Kinderaugen leuchten. Es ist Advent, also endlich wieder Zeit für einen Bummel über den Weihnachtsmarkt.

Dresden behauptet von sich, die Weihnachtshauptstadt Deutschlands zu sein und tatsächlich wird hier viel geboten …

Kommt der Besucher mit dem Zug am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt an, ist es gar nicht weit bis zur nächsten Glühweinbude. Auf der Prager Straße empfängt der erste Weihnachtsmarkt Dresden seine Besucher. In den letzten Jahren etwas stiefmütterlich behandelt, erstrahlt er ab diesem Jahr in neuem Glanz. Die „Dresdner Winterlichter“ (29.11. – 23.12.2012) versetzen die Einkaufsmeile in weihnachtliche Stimmung. Attraktion ist ein 15 Meter hoher Baum, der, wenn es dunkel wird, stündlich illuminiert wird. Geboten werden außerdem allerlei Leckereien aus Dresden und Umgebung.

 Weihnachtsmarkt Dresden

Herzstück und DAS Touristenhighlight ist natürlich der „Striezelmarkt“ auf dem Altmarkt. Er findet 2012 (28.11 – 24.12.) bereits zum 578. Mal statt. Über 200 Händler bieten hier u. a. erzgebirgische Holzkunst, Pulsnitzer Lebkuchen oder Lauschaer Glaskunst an. Kulinarisch wird aufgefahren, was das Weihnachtsherz begehrt.

Seit der Umgestaltung 2009 setzt der Markt noch stärker auf Familien mit Kindern. Die Kleinen können im Knusperhaus Pfefferkuchen verzieren, in der Kinderbackstube selbst Plätzchen backen und natürlich auch mitnehmen, im Pflaumentoffelhaus malen und basteln oder das Märchenhaus besuchen. Auf der Bühne präsentiert sich täglich das Dresdner Weihnachtstheater. Im Wichtelhaus können gestresste Eltern ihren Nachwuchs in die Hände einer professionellen Kinderbetreuung geben und inzwischen in Ruhe über den Markt schlendern und einen Punsch trinken.

An den Wochenenden finden traditionelle Feste, vom Pflaumentoffelfest bis zum Schwibbogenfest, statt. Höhepunkt ist alljährlich das Stollenfest (8.12.12). Der Stollen, „Striezel“ genannt, gab dem Markt schließlich seinen Namen. Schon Wochen vorher backen zahlreiche Dresdner Bäcker am tonnenschweren Riesenstollen, der an diesem Tag nach einem Festumzug durch die barocke Altstadt angeschnitten und verkauft wird.

Vom größten begehbaren erzgebirgischen Schwibbogen bietet sich ein hervorragender Blick über den gesamten Markt und auf die größte erzgebirgische Stufenpyramide. Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr am 7.12. die „Sternstunden“. An diesem Abend ist der Markt bis 23 Uhr geöffnet und bietet besondere Angebote.

Weihnachtsmarkt DresdenAuf dem Neumarkt kann man in die Welt des Weihnachtsmarktes anno 1900 eintauchen (30.11. – 21.12.2012). Hier geht es ohne viel Schnickschnack sehr besinnlich zu. An kleinen Ständen und Buden werden die traditionellen Handwerkszünfte nachgebildet, die sich vor 100 Jahren rund um den Neumarkt befunden haben. Eine zünftige Feuerzangenbowle wärmt richtig auf.

Wer es beim Glühweinumtrunk eher „kuschlig“ mag, der ist auf dem Weihnachtsmarkt Dresden an der Frauenkirche (30.11 – 24.12.2012) richtig. Dieser befindet sich vornehmlich in der Münzgasse. Händler bieten hier Töpferwaren, Plauener Spitzen oder Freiberger Zinn feil. Sehr Hungrige können direkt in einem der unzähligen Restaurants einkehren.

Eine etwas peppigere Alternative bietet sich beim „Dresdner Hüttenzauber“ (28.11 – 24.12.) auf dem Postplatz. In mehreren beheizten Hütten gibt es Hüttengaudi, Aprés Ski und ein Hüttenrestaurant mit ca. 130 Plätzen. Hier kann man sich bereits mittags den Bauch vollschlagen.

Sie haben nun immer noch nicht genug vom Weihnachtstreiben? Dann geht es direkt hinüber auf die Neustädter Seite. Dort öffnet der „Augustusmarkt“ seine Pforten (29.11. – 23.12.2012). Auch dieser Weihnachtsmarkt Dresden präsentiert sich rund um den Goldenen Reiter und entlang der Hauptstraße völlig neu. Statt normalen Hütten stehen hier nun üppig geschmückte, hübsch beleuchtete weiße Pagoden. Es wird ein Blick in die Weihnachtswelt anderer Bundesländer, der europäischen Nachbarn und der weiten Welt geworfen.

Beschaulich-romatisch geht es auf vielen kleineren Weihnachtsmärkten in den Stadtteilen zu. Empfohlen sei hier der Elbhangfest-Weihnachtsmarkt in Loschwitz (1.12. – 16.12.2012). Durch viele kleine Stände und die Beteiligung der angrenzenden Händler und Höfe entsteht hier ein ganz besonderes Flair.

Weihnachtsmarkt Dresden

Zum Abschluss dieses Weihnachtsbummels durch Dresden sei noch ein Besuch der „Mittelalter-Weihnacht“ im Stallhof des Dresdner Schlosses (28.11 – 23.12.2012) wärmstens ans Herz gelegt. Dieser Weihnachtsmarkt Dresden ist seit Jahren sehr beliebt. Vielleicht liegt es daran, dass es hier kein Plastik, nur wenig elektrisches Licht und nicht die übliche Weihnachtsbeschallung gibt. Etwa 40 Händler bieten ihre Waren an, die aus Materialien und mit Werkzeugen des späten Mittelalters gefertigt werden. So kann man Schmieden, Töpfern, Schneidern oder Spinnerinnen bei der Arbeit zusehen. Ab Anbruch der Dunkelheit sorgen Öllampen, Kerzen und Laternen für ein lauschiges Ambiente. Da schmeckt der Met, das Knobibrot, der Eierkuchen oder der Rahmfleck noch mal so gut.

Wer möchte, kann nach vorheriger Anmeldung ein „Bad in der Menge“ nehmen. Dafür stehen im Badehaus zwei Badezuber zur Verfügung, die je bis zu zwölf Personen fassen. Vielleicht eine Anregung für die Weihnachtsfeier?

Wochentags ist der Besuch dieses Weihnachtsmarkts kostenlos, am Wochenende wird jedoch ein Wegezoll erhoben (3 Euro/ermäßigt 2 Euro). Dafür wird dann ganztägig ein reichhaltiges mittelalterliches Programm geboten.

Wer es vor Weihnachten nicht in den Stallhof schafft, der hat danach (27.12. – 30.12.2012) noch einmal eine Chance. Dann gesellen sich zum bisherigen Angebot Bleigießer, Kartenlegerinnen und Wahrsager hinzu. „Magische Tage und Nächte voller Aberglauben“ ist in der Zeit zwischen den Jahren das Motto. Dabei bietet sich die Gelegenheit, einen Blick ins neue Jahr zu werfen.

Unterwegs im und über dem Plauenschen Grund

Plauenscher GrundSonntagnachmittag. Langeweile. Warum nicht die schönen Herbsttage nutzen, um einen kleinen Spaziergang zu machen? Also auf geht’s …

Kommt der geneigte Dresden-Besucher mit dem Zug oder dem Auto aus Richtung Freital in die Stadt, so erheben sich bei der Einfahrt links und rechts steile Felswände. „Was ist das? Sind wir hier im Gebirge?“, wird der eine oder andere fragen. Nein, ein Gebirge ist es nicht, man könnte es höchstens noch als einen Ausläufer des Erzgebirges bezeichnen. Wir befinden uns im Plauenschen Grund, einem Kerbtal der Weißeritz. Ober- und unterhalb der Felslandschaft gibt es einiges zu entdecken.

Idealer Ausgangspunkt für die Tour ist der Bahnhof in Dresden-Plauen. Von hier geht es ein paar Schritte bergab bis kurz vor die Weißeritzbrücke. Nun biegen wir links auf den Bienert-Wanderweg ein. Apropos Bienert: Auf dem Weg begegnet man vielen Orten, die an die Industriellenfamilie Bienert erinnern. Direkt am Anfang des Weges befindet sich links die Bienert-Mühle. Es war die kurfürstliche Hofmühle im 16. Jahrhundert, Bienert machte daraus ab 1852 die bedeutendste industrielle Großmühle im Raum Dresden. Damals mit modernster Technologie ausgestattet, ist das Gebäude heute zum Teil leider nicht im allerbesten Zustand. Es geht weiter auf dem Weg in Richtung Freital, auf dem uns links die Bahnstrecke Dresden – Nürnberg (früher Albertbahn) und rechts die Weißeritz begleiten. Nach etwa 700 Metern gelangt man zur Hegereiterbrücke, einer dreibogigen Sandsteinbrücke, erbaut im 16. Jahrhundert. Nach dem reißerischen Hochwasser der Weißeritz im Jahr 2002 wurde diese wieder aufgebaut. Ein paar Schritte flussaufwärts kommen wir zum Felsenkeller-Areal. Hier befand sich im 19. Jahrhundert die größte Brauerei außerhalb Bayerns. Heute haben an diesem Ort viele junge Gewerbetreibende und ein wissenschaftliches Untertagelabor ihren Platz gefunden. Am ehemaligen Eiswurmlager führt eine etwas unscheinbare Treppe auf den Pfad um das Gebäude herum.

Nun führt uns eine Treppe im Wald den Berg hinauf. Hier kann man die gute Waldluft tief einatmen. Oben Plauenscher Grundangekommen gelangen wir auf eine herrliche Streuobstwiese. Allerdings hat der Herbst in diesen Tagen nur noch ein paar versprengte Äpfelchen auf den Bäumen übrig gelassen. Hier schließt sich der Bienert-Park an, der 1906 von Erwin und Theodor Bienert gestiftet wurde. Da wir uns nun über dem Tal befinden, gibt es entlang des Weges einige reizvolle Aussichtspunkte. Höhepunkt der Tour ist der „Hohe Stein“ mit seinem Aussichtsturm, 190 Meter über dem Meeresspiegel. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Auf der anderen Seite schaut man ins malerische Weißeritztal. Am Horizont entdeckt man die 220 Meter lange Brücke der A17 Dresden – Prag, die den Dölzschener und den Coschützer Tunnel verbindet.

Der Weg führt weiter vorbei am Bienert-Garten und an einer kleinen Sternwarte, die zum Gymnasium Plauen gehört. Abseits des Hauptweges gibt es immer wieder kleinere Pfade, die immer wieder auf den Hauptweg zurückführen.

Inzwischen sind wir nun fast wieder im Stadtteil Plauen angekommen. Hier stoßen wir direkt auf die Auferstehungskirche. Sie wurde bereits im Mittelalter erbaut und um 1900 in ihre heutige Form umgebaut. Auch hier tat der Unternehmer Bienert Gutes mit Spenden für die Innenausstattung und die Orgel. An die Kirche schmiegt sich der Innere Plauener Friedhof. Übrigens ein sehr schöner kleiner Friedhof, auf dem sich auch die Grabstätte der Bienerts befindet. Entweder geht man nun ein paar Schritte den Berg hinab und ist direkt wieder am Ausgangspunkt der kleinen Tour angekommen. Es lohnt sich aber auch noch ein kleiner Abstecher nach rechts zum F.-C.-Weißkopf-Platz mit dem Müller-Brunnen. Er trägt die Inschrift „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Der Brunnen soll an den Lyriker Wilhelm Müller und an das Mühlenwesen erinnern, das die Gegend lange prägte. Auch ein Blick auf das im Stile der Neorenaissance erbaute Rathaus Plauen lohnt sich.

Felsenkeller BrauereiWer nun Hunger und Durst verspürt, wird ebenfalls fündig, empfehlenswert ist das italienische Restaurant „Il Grottino“.

Der Weg ist mit einem gelb-weißen Viereck gekennzeichnet und ist (wenn es im Winter nicht gerade glatt ist) hervorragend begehbar. Am Wegesrand stehen viele interessante Informationstafeln. Einige davon wurden leider von Vandalen beschmiert. Die kleine Wandertour dauert bei gemütlichem Tempo etwa 90 Minuten und ist damit perfekt für den Verdauungsgang zwischen dem sonntäglichen Mittagessen und Kaffeetrinken geeignet.

Schloss Augustusburg – das Jagdschloss des Kurfürsten August

Augustusburg

Foto: Kolossos, CC-BY-SA-2.5

 

Die Augustusburg wurde zwischen 1568 und 1572 als repräsentatives Domizil und Jagdschloss auf Geheiß von August, Kurfürst von Sachsen, erbaut. Bei diesem August handelt es sich allerdings nicht um den berühmten August den Starken, der lebte etwa 150 Jahre später. Vorgänger der Augustusburg war die Schellenburg, die bereits 1547 durch einen Blitzschlag teilweise zerstört wurde.

 

Heute ist Schloss Augustusburg unter anderem ein Mekka für Zweiradfans. Sie kommen alljährlich zu ihrem Wintertreffen zusammen. 2012 fanden sich zu diesem Höhepunkt rund 10  000 Biker und Besucher auf dem Schlosshof ein. Das Motorradmuseum im Schloss ist mit seinen 175 Exponaten eine der bedeutendsten Sammlungen Europas. Im gesamten Fundus befinden sich 350 Fahrzeuge, die in wechselnden kleinen Sonderausstellungen bewundert werden können. Aber auch für Freunde von drei- oder vierrädrigen Gefährten sind die Schlosstore geöffnet. So findet immer am 3. Oktober das Oldtimertreffen mit Tausenden Besuchern statt.

Einen großen Teil des Schlosses nimmt das Schlossmuseum ein. Neben dem Venussaal mit einer wunderschönen Wandmalerei aus dem 16. Jahrhundert beherbergt es das Museum für Jagdtier- und Vogelkunde sowie das Kutschenmuseum. Hier, im historischen Stallgebäude, kann man sehen, wie man in alten Zeiten auf Reisen ging. Im Jagdtier- und Vogelkundemuseum ist anhand von 120 ausgestellten Tieren und Vögeln die reichhaltige Fauna des Erzgebirges zu bestaunen. Als ich noch klein war, war der Hirsch, der auf Knopfdruck röhrte, mein „Lieblingstier“. Ob er wohl immer noch da steht?

Wer es etwas „härter“ mag, der informiert sich im Schlosskerker über Foltermethoden und -werkzeuge aus dem Mittelalter. War man im dunklen Keller, möchte man sich sicher etwas Luft um die Nase wehen lassen und besteigt den Aussichtsturm. Hier eröffnet sich ein herrlicher Blick ins Erzgebirge und auf das der Burg zu Füßen liegende Zschopautal. In der Turmgalerie gibt es wechselnde kleine künstlerische Ausstellungen. Vielleicht erblickt man auf dem Turm auch einen Falken. Dieser kommt wahrscheinlich vom größten sächsischen Adler- und Jagdfalkenhof, der sich ganz in der Nähe der alten Schlosslinde befindet.

Ein Geheimtipp ist (noch) das seit 2007 bestehende Schlosstheater. Dafür bieten beispielsweise der Heuboden oder der Fasskeller ein ganz besonderes Ambiente. Auch Konzerten kann man lauschen, ob im Hasensaal oder im Sommer auf dem Schlosshof. Sehr beliebt ist die Augustusburg bei Heiratswilligen. Rund 150 Paare lassen sich hier jährlich standesamtlich trauen.

Nach dem Besuch des Schlosses lohnt sich ein Bummel durchs „Städtel“, wie Augustusburg liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird.

Sehr empfehlenswert ist auch ein Abstecher zur über 100 Jahre alten Drahtseilbahn. Eine Fahrt auf der ca. 1 240 Meter langen Strecke zwischen der Bergstation Augustusburg und der Talstation in Erdmannsdorf dauert etwa acht Minuten. Der talwärts fahrende Wagen zieht dabei den zweiten Wagen den Höhenunterschied von knapp 170 Metern hinauf.

Wenn noch etwas Zeit bleibt, schaut man vielleicht noch im Freizeitzentrum „Rost’s Wiesen“ vorbei. Im Sommer kann man hier auf der Sommerrodelbahn oder beim Minigolf Spaß haben. Im Winter ist durch eine Beschneiungsanlage das Ski- und Rodelvergnügen garantiert. Auch Durstige und Hungrige werden bestens versorgt.

Ein kleiner Extra-Tipp: Noch bis 11. November 2012 ist auf Schloss Augustusburg „UDO – Die Ausstellung“ zu sehen. Ausgestellt sind u. a. Liedtexte, Fotos und Filme von Udo Lindenberg, der zur Eröffnung der Schau ein exklusives Konzert im Schlosshof gab. Besonderes Highlight der Ausstellung sind die „Likörelle“ des Künstlers. Das sind Bilder, die mit (und wahrscheinlich auch unter Einfluss von) alkoholischen Getränken gestaltet wurden.

 

Bildquelle: Kolossos

Unterwegs in der Stadt Chemnitz

Karl-Marx-Kopf in ChemnitzDie kreisfreie Stadt Chemnitz liegt am Nordrand des Erzgebirges im Südwesten Sachsens. Sie ist mit einer Fläche von ca. 220 Quadratkilometern die drittgrößte Stadt des Freistaats. Zurzeit hat Chemnitz etwa 240 000 Einwohner. Der Fluss, der durch die Stadt fließt, gab dieser ihren Namen. Chemnitz zählt heute zur Wirtschaftsregion Chemnitz – Zwickau, eine der bedeutendsten in den neuen Bundesländern.

Von „Ruß-Chamtz“ über „Karl-Marx-Stadt“ zur „Stadt der Moderne“

Im Jahr 1143 wurde Chemnitz zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Stadt entstand aus einer stadtähnlichen Siedlung in der Nähe einer Furth über den Fluss Chemnitz.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts entstand hier einer der bedeutendsten Industriestandorte. Schnell war von „Ruß-Chamtz“ oder dem „Sächsischen Manchester“ die Rede. Werkzeugmaschinen, Lokomotiven oder Textilmaschinen gingen von Chemnitz in die Welt. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts war Chemnitz sogar die reichste Stadt Deutschlands.

Die historische Innenstadt wurde bei den alliierten Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg am 13./14. Februar und 5. März 1945 nahezu vollständig zerstört. Infolge dessen zeichnete sich die Innenstadt jahrzehntelang durch ein fehlendes Zentrum und „sozialistische Architektur“ aus. Rathaus Chemnitz

Am 10. Mai 1953 wurde Chemnitz anlässlich des Karl-Marx-Jahres und zu dessen Ehren durch einen Beschluss der DDR-Regierung in „Karl-Marx-Stadt“ umbenannt. Seit 1971 hat der Karl-Marx-Kopf (im Volksmund „Nischel“) seinen Platz an der Brückenstraße (damals Karl-Marx-Allee). Er ist eine der größten Porträt-Büsten der Welt. Nach einer Volksabstimmung bekam die Stadt am 1. Juni 1990 ihren alten Namen zurück.

Nach der Wende entstand rund um das Rathaus und die Innere Klosterstraße ein neues Stadtzentrum, in dem man heute flanieren kann. „Stadt der Moderne“ heißt der aktuelle Slogan von Chemnitz. Dies schlägt sich z. B. in der engen Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft nieder. VW, IBM, Thyssen Krupp, Hörmann Rawema, Siemens VDO oder die Union Werkzeugmaschinenbau arbeiten mit den Bildungseinrichtungen der Stadt eng zusammen, wie der TU Chemnitz, an der es etwa 10 000 Studenten gibt.

Chemnitz? – Da gibt’s doch nichts zu sehen!

Versteinerter Wald ChemnitzOh doch! Auch in Chemnitz gibt es viele Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Neben dem Karl-Marx-Kopf gehört natürlich das älteste Wahrzeichen der Stadt, der Rote Turm, dazu. Er gehörte einmal zur Stadtbefestigung und wurde u. a. als Gefängnis genutzt. Die meisten historischen Gebäude sind auf dem Kaßberg erhalten geblieben. Von hier aus ist es nicht weit zum Schlossteich, auf dem man in der warmen Jahreszeit eine Paddeltour unternehmen kann. Durch den Küchwald kann man auf einer Strecke von 2,3 Kilometern mit der Parkeisenbahn (ehem. Pioniereisenbahn) eine Runde drehen.

Sehr interessant ist auch das ehemalige Kaufhaus „DAStietz“, in dem sich Bildung und Kultur begegnen. Neben der Stadtbibliothek und der Volkshochschule sind hier das Museum für Naturkunde und die Neue Sächsische Galerie untergebracht. Highlight des Hauses ist aber der „Versteinerte Wald“. Diese Kieselhölzer entstanden durch einen Vulkanausbruch. Die Bäume wurden dabei unter 80 bis 100 Grad heißen Auswürfen des Vulkans bedeckt. Seit 1737 stieß man bei Grabungen immer wieder auf diese Hölzer.

Auf Technik-Fans warten das Sächsische Eisenbahnmuseum im Stadtteil Hilbersdorf oder das Industriemuseum Chemnitz auf der Zwickauer Straße.

Am Abend ist vielleicht noch etwas Zeit, um sich eine Aufführung im Opernhaus anzusehen. Bei dieser Gelegenheit kann gleich der Theaterplatz mit der Petrikirche besichtigt werden.

Reizvolles Umland

Auch das Umland von Chemnitz lädt zu Ausflügen ein. Sehr beliebt ist das Wasserschloss Klaffenbach. Das Renaissance-Schloss lockt mit Gastronomie, Kultur und Kunst. Wechselnde Sonderausstellungen gibt es auf der Burg Rabenstein, der kleinsten mittelalterlichen Burg Sachsens. Sehr nahe sind auch das Schloss Augustusburg und das Schloss und der Barockgarten Lichtenwalde.

Soll es etwas weiter in die Umgebung gehen, lohnt sich natürlich immer ein Ausflug ins Erzgebirge, z. B. zu den Greifensteinen, nach Annaberg-Buchholz oder Oberwiesenthal. Oder man besucht den Musikwinkel rund um Klingenthal und Markneukirchen im Vogtland.