Die Bombennächte von Dresden

Frauenkirche nach Bombenangriff auf Dresden

Zerstörte Frauenkirche, Foto: Rolf van Melis, CC BY-SA 2.5

Die Tage vom 13. bis zum 15.Februar 1945 waren die wohl schwärzesten in der Geschichte Dresdens. Kurz vor Kriegsende wurden große Teile der Innenstadt zerstört. Barocke Kunstwerke und industrielle Bauten fielen den Luftangriffen zum Opfer und unzählige Menschen mussten ihr Leben lassen. Die Geschichte Sachsens wäre unvollständig, wenn wir nicht von dieser Katastrophe berichten würden.

Dresden hatte sich in seiner siebenhundertjährigen Geschichte zu einer einzigartigen Pracht und Schönheit entfaltet. Aus dem kleinen, slawischen Fischerdorf war eine Kunst- und Kulturstadt ohnegleichen geworden. Dresden war die Perle der deutschen Städte. Baumeister wie Pöppelmann, Chiaveri und Bähr schufen einzigartige Barockbauten, welche der Stadt den Namen „Elbflorenz“ einbrachten. Dichter und Philosophen schwärmten von der Schönheit der Stadt und nannten ihren Namen in zahlreichen Kunstwerken. Jedes Jahr zog es Reisende aus aller Herren Länder nach Dresden, bis – ja, bis zu jeder Schreckensnacht vom 13. zum 14.Februar 1945.

Der 13.Februar 1945 in Dresden

Es ist Faschingsdienstag und die Straßen von Dresden sind, wie in kaum einer anderen deutschen Stadt, voll mit Flüchtlingen. Etwa eine halbe Million Flüchtlinge und 600 000 Dresdner sind in der Stadt. Viele sind müde vom Herumziehen auf Landstraßen und suchen Schutz in Dresden, der Stadt, die bisher von Bombenangriffen verschont blieb. Die meisten von ihnen glauben, dass die Kunstschätze der Stadt ihr bester Schutz gegen die Luftangriffe sind. Lastwagen, Pferdewagen, Handwagen und Menschen sind eng gedrängt. Auf dem Stübelplatz und anderen freien Plätzen sammeln sich die Menschen mit ihrem Hab und Gut. Immer neue Wagen kommen in die Stadt und versuchen ein freies Plätzchen zu finden.

Am späten Abend werden die Bürger von einer Radiomeldung aufgescheucht. Gegen 21:55 Uhr teilt der Radiosender mit, dass feindliche Kampfflieger im Anmarsch sind. Nur 20 Kilometer von der Stadt entfernt, steuern sie direkt auf Dresden zu. In wilder Hast nehmen Kinder, Greise, Gebrechliche, Erwachsene, Alte und Kranke das Notwendigste und versuchen in Luftschutzräumen Unterschlupf zu finden. Viele haben die sichere Unterkunft noch nicht erreicht, als ein Brausen in der Luft zu vernehmen ist. Rote und grüne Blitze flammen am dunklen Himmel auf und die ersten Bomben schlagen ein. In einer endlosen Welle fliegt das amerikanische Bombengeschwader heran und bombardiert die zum Bersten gefüllte Stadt mit ihrer unheilvollen Last. Laut amtlichen Meldungen sollen etwa 800 Bomber etwa 300 000 Flammenstrahl-, Flüssigkeits- und Brandbomben abgeworfen haben.

Leichenberge nach dem Bombenangriff auf Dresden

Leichenberg, Foto: Hahn, CC BY-SA 3.0

Max Seydewitz berichtet in seinem nach Augenzeugen entstandenen Gedenkbuch „Die unbesiegbare Stadt“: „Aus Kanistern floss Benzin und Phosphor wie Regen herab, während es auf weiter Fläche in der Stadt kochte und brodelte, schwefelgelbe, schwarze, blaue oder rötlichglühende Wolken den Himmel überzogen, kamen weitere Flugzeuge, die nun 2000 schwere Sprengbomben in die lodernde Hölle warfen. Sie zerstörten Gebäude…, töteten Tausende schreiend und hilflos durch die Straßen Flüchtende und begruben andere Tausende lebendigen Leibes unter den Trümmern…“

Die Semperoper, das Schauspielhaus, die Hofkirche, das Schloss wurden ebenso zerstört wie der Zwinger, das japanische Palais, die Häuser der Ministerien oder das Hochhaus am Albertplatz. Und auch das Albertinum, das Johanneum, der Altmarkt, historische Bürgerhäuser, die Annenkirche, die Dreikönigskirche und die Sophienkirche wurden Opfer dieser Nacht. In nur 24 Minuten wurden 28 Millionen Quadratmeter in ein einziges Flammenmeer verwandelt. Riesige Trümmerberge türmten sich in der Innenstadt von Dresden. 24 Minuten, in denen tausende Menschen bei lebendigem Leibe verbrannten, von Bomben zerrissen, von einstürzenden Bauten zermalmt wurden, durch den Rauch erstickten oder deren Lungen durch die Druckwelle zerrissen wurden.

Nach den 24 Minuten beginnen die Überlebenden sich aufzuraffen, suchen nach Verschüttenden, nach Angehörigen und Bekannten und bemühen sich die Schmerzen der Verwundeten zu lindern. In Zeiten der Not verbreiten sich Gerüchte wie ein Lauffeuer. Keiner kann sagen, wer die Nachricht in Umlauf gebracht hat, nach der sich alle Überlebenden im Großen Garten versammeln sollen. Raus aus der brennenden Stadt, in den Schutz des Gartens, der einst für die Fansanenzucht entstanden war. Ein Londoner Sender soll im Radio dazu aufgefordert haben und für viele scheint die Flucht in den Großen Garten ein Ausweg aus dem Flammenmeer.

Tausende strömen in den Garten und suchen hier, der Kälte trotzend, Schutz. Und keiner der Schutzsuchenden ist auf den zweiten Angriff, der nur 3 Stunden später erfolgt, vorbereitet. Die gleichen Männer, die den Radiosprechern aufgetragen haben, die Menschen in den Großen Garten zu locken, schicken jetzt wieder Bomber um die Hilflosen zu vernichten. Ohne Vorwarnung zerreißen die Motoren der 1000 Flugzeuge um 1:22 Uhr die Stille um ihre unheilvolle Last auf den Großen Garten und die darin befindlichen Flüchtlinge abzuwerfen. Die Innenstadt und Stadtteile, die bisher verschont blieben, sowie der Große Garten werden noch einmal von hunderttausenden Brand-, Feuerstrahl- und Flüssigkeitsbomben bombardiert. Dazu kommen etwa 4000 Sprengbomben. Was den ersten Angriff überlebte, fällt den Bomben jetzt zum Opfer. Hilflose Frauen, Männer, Kinder und Greise werden ausgelöscht. Wer den Bomben nicht zum Opfer fällt, wird von der Flugzeugbesatzung mit Bordwaffen getötet. 32 Minuten dauert der zweite Angriff, eine halbe Stunde, die zur Ewigkeit wird. Mütter sehen ihre Kinder sterben und Kinder verlieren ihr Eltern. Doch der Leidensweg der Dresdner und aller Flüchtlinge soll noch nicht zu Ende sein.

Die Tage danach in Dresden

Bombenangriff auf Dresden

Foto: United States Air Force

Nur zehn Stunden nach dem zweiten Bombenangriff, am Mittag des 14.Februars, fliegen erneut angloamerikanisch Flugzeuge gen Dresden. Die Sirenen sind schon lange ausgefallen und die verwirrten Menschen werden ohne jede Vorwarnung von 12:15 bis 12:25 bombardiert. 1500 Sprengbomben, 30 000 Brandbomben und 400 Flammenstrahl- und Flüssigkeitsbomben prasseln auf Dresden und deren Menschen nieder. An den Elbwiesen haben sich tausende Menschen, die aus der Stadt geflüchtet sind, zusammengefunden. Am helllichten Tag werden sie im Tiefflug aus den Fliegern beschossen. Und auch das soll nicht das Ende des Leidens sein.

Der Mord an den Dresdnern wird am 15.Februar fortgesetzt. Eine dreiviertel Stunde, von 11:30 Uhr bis 12:15 Uhr fliegen erneut die Bomber über die Stadt. Einhundert Flieger werfen 15 000 Flammenstrahl-, Brand- und Flüssigkeitsbomben sowie 900 Sprengbomben ab. Die wehrlose Stadt und deren Menschen liegen in Schutt und Asche, kalt lächelnd abgeschlachtet durch angloamerikanisch „Helden“, die bei der Vernichtung nicht das geringste Risiko eingingen.

Eine Kunststadt, dem Erdboden gleich gemacht, und 35 000 Tode sind das Ergebnis der Fliegerangriffe. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass bei dem Bombenangriff auf Dresden „nur“ 25 000 Menschen ums Leben kamen. Viel wahrscheinlicher aber sind die nach oben korrigierten Zahlen von über 250.000 Toten. Aber spielt die Zahl eine Rolle angesichts der Feigheit und Kaltblütigkeit, mit denen dieser Angriff auf Dresden ausgeführt wurde?

 

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