Karl Stülpner – der Robin Hood von Sachsen

Karl StülpnerKennen Sie noch die Stülpner-Filme mit Manfred Krug? Das Fernsehen der DDR hatte zu Beginn der 70er Jahre die Geschichten aus dem Leben Karl Stülpners verfilmt. Sieben Episoden erzählt vom abenteuerlichen Leben des Wilderers und Schmugglers auf eine unterhaltende Art und Weise. Das Leben des richtigen Karl Stülpner ist sicher nicht ganz so unterhaltsam gewesen. Ein Lebenskünstler war er allemal und er hat der Obrigkeit so manches Schnippchen geschlagen.

Stülpner war ein Deserteur auf Lebenszeit

Geboren wurde Karl Stülpner als Carl Heinrich Stilpner am 30.September 1762 in Scharfenstein, einem heutigen Ortsteil von Drebach im Erzgebirge. Scharfenstein liegt eng an der heutigen tschechischen Grenze. Stülpner war das achte Kind einer Familie von Tagelöhnern und Landarbeitern. Wie es zu dieser Zeit üblich war, musste er das Elternhaus schon frühzeitig verlassen und für seinen Lebensunterhalt selber sorgen. Sein erster Weg ging zu den Musketieren. 1780 ließ sich Stülpner in Chemnitz für acht Jahre von den sächsischen Musketieren anwerben. Aber schon fünf Jahre später hatte er die Nase voll und desertierte 1785 auf dem Rückweg von einem Manöver. Als Deserteur hatte man zur damaligen Zeit kein leichtes Leben. Das unerlaubte Entfernen von der Truppe wurde hart bestraft. Und so war Stülpner in den nächsten Jahren vor allem eins – nämlich auf der Flucht. Während seiner Flucht vor den sächsischen Armeen führte ihn sein Weg von Böhmen über Österreich, Ungarn, Hessen, Baden bis nach Niedersachsen. In Hannover wurde er gegen seinen Willen in einem Dragonerregiment zwangsverpflichtet. Doch auch dort hielt es den Rebellen nicht lange, und nachdem er erneut geflüchtet war, geriet er den Preußen in die Fänge, wo er in ein Infanterieregiment gesteckt wurde. Unter den Preußen nahm er 1792 am Ersten Koalitionskrieg teil. 1793 wurde Karl Stülpner verwundet und nutze diese Verwundung, um erneut zu desertieren. Sein Weg führte ihn zurück ins heimatliche Scharfenstein.

 

Der sächsische Robin Hood lässt grüßen

Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich für all die legendären Geschichten verantwortlich. Bis 1800 lebte Karl Stülpner fast unbehelligt in Scharfenstein. Dabei erwarb er sich einen Ruf als Schmuggler und Wilderer. Die Dorfbewohner behielten Stillschweigen über seine Taten, denn mit seinen Gewinnen aus der Wilderei und Schmugglerei unterstützte er vor allem die Armen und Bedürftigen. Die Bewohner von Scharfenstein beschützen ihn dafür vor dem kurfürstlichen Recht. In dieser Zeit fing Stülpner auch ein Techtelmechtel mit der Tochter des ansässigen Richters an. Johanna Christiane Wolf sollte später seine Frau werden. 1796 gebar sie Stülpner einen Sohn, der aber bereits tot geboren wurde. Drei Jahre später kam die Tochter Johanna Eleonora auf die Welt.

Stülpner kehrte 1800 freiwillig zu den sächsischen Armeen zurück. Wahrscheinlich wollte er damit die Versorgung seiner Tochter sicherstellen. Er verpflichtete sich auf Lebenszeit und durch die Bittschriften von Freunden konnte er der Bestrafung als Deserteur entgehen. Doch lange währte auch dieses Mal sein Aufenthalt in der Armee nicht. Bei der Schlacht bei Jena wurde er 1806 von den Franzosen gefangen genommen. Er konnte aus der Gefangenschaft fliehen. Ein Jahr später erkrankte seine Mutter, die er gern pflegen wollte. Ein Antrag auf Entlassung von Stülpner wurde abgelehnt. Und so machte sich Karl Stülpner wieder Mal allein auf den Weg aus der Armee. Stülpner desertierte nach Böhmen. Die Pflege der Mutter wurde von Christiane Wolf übernommen, die Stülpner nach dem Tod der Mutter folgte und ihn in Böhmen heiratete.

 

Die späten Jahre

Karl Stülpner

Foto: Liesel, CC BY-SA 3.0

Ja, der Stülpner hat sich auch an ehrlicher Arbeit versucht. In Böhmen betrieb er Handel und gründete später eine Zwirnfabrik, die durchaus ein lukratives Einkommen sicherte. Aber lange hielt es Karl Stülpner nicht im Böhmischen. In Sachsen gab es 1813 eine Generalamnestie. Und so kehrte er zurück in seine Heimatstadt und kaufte dort das Haus seiner Eltern. Schon sieben Jahre später musste er allerdings Sachsen wieder verlassen, denn man hatte ihn beim Schmuggel entdeckt. Seine Frau Christiane starb im selben Jahr.

1823 heiratete Karl Stülpner Anna Veronika Ventzora. Aus der Ehe sind zwei Söhne entstanden. Glücklich war er mit Anna aber nicht und so verließ er 1828 seine Frau und kehrte nach Sachsen zurück. In den folgenden Jahren zog Karl Stülpner vor allem durch seine Heimatregion und erzählte seine Geschichten und Legenden. Volkstümliche Schriftsteller griffen seine Erzählungen nur zu gern auf. Und natürlich vermischte sich in den Erzählungen Wahrheit und Traum. 1832 veröffentlichte Karl Stülpner sein erstes Buch, dem noch weitere sowie Theaterstücke und Gedichte folgten. 1835 verkaufte Karl Stülpner seine Lebensgeschichte an den Verlag Schönberg. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung wurde das Buch verboten. Die vor Gericht erstrittene Entschädigung konnte ihn nicht vor der Armut schützen. Die letzten beiden Jahre seines Lebens verbrachte Karl Stülpner krank. Versorgt wurde er aus der Armenkasse. Am 24. September 1841 starb Karl Stülpner im Alter von 79 Jahren in Scharfenstein. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Großolbersdorf und ist noch heute zu besichtigen.

 

 

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