Wie ein Märchen aus 1001 Nacht – die Dresdner Yenidze

Yenidze DresdenDresden hat unzählige barocke Schönheiten zu bieten. Zwischen all den barocken Sehenswürdigkeiten gibt es aber auch einige Raritäten. Dazu gehört die Dresdner Yenidze, die im glamourösen Stadtbild von Dresden völlig deplatziert scheint. Viele denken beim Anblick des Gebäudes an eine orientalische Moschee. Der Gedanke ist nicht ganz abwegig, hat sich doch der Bauherr seine Inspiration auf einer seiner vielen Reisen in den Orient geholt.


Zigarettenfabrikant lässt orientalisches Fabrikgebäude errichten

Hugo Zietz, seines Zeichens Zigarettenfabrikant, wollte im Jahre 1908 unbedingt nah der Eisenbahnstrecke an der Elbe ein Fabrikgebäude errichten. Das war 1908 nicht so einfach, ja sogar verboten, sollte doch der Stadtkern von Dresden mit seiner barocken Schönheit nicht von Fabrikgebäuden zerstört werden. Industrielle Gebäude waren hier im Stadtzentrum nicht gern gesehen. Und so kam Hugo Zietz auf die Idee, sein Fabrikgebäude im orientalischen Stil zu errichten. Anregungen hatte er sich auf einer seiner vielen Reisen in den Orient geholt, wo er als Zigarettenfabrikant Tabak einkaufte. Zietz lies kurzerhand seinen Architekten Hermann Martin Hammitzsch in den Orient reisen, wo dieser sich Anregungen für das geplante Gebäude holen sollte. Vorbild für den Bau der Yenidze soll angeblich das Kairoer Mameluckengrab von Khair Bak gewesen sein. Andere Quellen behaupten, die griechische Stadt Genisea, die früher den Namen Yenidze trug und Tabakanbaugebiet war, ist für den Namen verantwortlich. Zwischen 1908 und 1912 wurde das Gebäude im Osten des Stadtbezirkes Dresden-Friedrichstadt erbaut. Mit einer Gesamthöhe von 62 Metern ist das imposante Gebäude weithin zu sehen.

Hammitzsch wurde aufgrund des Baus aus dem Architektenverband ausgeschlossen. Einen solchen Bau konnte der konservative Berufsverband zur damaligen Zeit nicht gelten lassen. Und auch in den Augen der Dresdner stieß das Gebäude im Form einer Moschee lange Zeit auf Ablehnung. Hugo Zietz hatte allerdings sein Ziel erreicht. Das Gebäude war in aller Munde und ein einzigartiger Werbegag, der alle andere Werbung dieser Zeit in den Schatten stellte.

Yenidze ist der erste Stahlbeton-Skelettbau

Der Bau der Yenidze war eine Sensation. Das Gebäude ist weltweit der erste Stahlbeton-Skelettbau. Da im Zentrum von Dresden kein Fabrikschornstein zugelassen wurde, verwandelte der Architekt diesen kurzerhand in ein Minarett. Auf 6 Etagen entstanden riesige Räume. Im Gebäude befinden sich 600 Fenster, die jeweils unterschiedlich gestaltet wurden. Die riesige Kuppel ist 17 Meter hoch. Sie wird von drei rot-grünen Schmuckbändern verziert. Die Kuppel bringt ganze 62 Tonnen auf die Waage und verfügt über einen Durchmesser von 18 Metern. Die oberste Spitze wird von einer goldenen Krone geschlossen.

Yenidze verwandelte sich von der Zigarettenfabrik zum Bürogebäude

Die 1912 eröffnete Yendize brauchte Anfang des 20.Jahrhunderts immerhin 60 Prozent aller Zigaretten auf dem deutschen Markt. 1700 Arbeitern bot das Gebäude Platz. Die bekannteste Marke war „Salem“. Im Februar 1945, beim Bombenangriff auf Dresden, wurde auch die Yenidze stark beschädigt. Der Wiederaufbau begann schon kurz nach dem 2.Weltkrieg. Die Aufbauarbeiten wurden im dem DEFA Film „Karbid und Sauerampfer“ festgehalten. Bereits zwei Jahre nach dem Krieg, im Jahre 1947, konnte die Produktion wieder starten und 1953 wurde die Yenidze zum Tabakkontor der DDR.

Im Jahre 1996 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten. Heute beherbergt die Yenidze Büros und ein Restaurant. In der Kuppel kann man Märchen aus 1001 Nacht und anderen Geschichten lauschen. Von der Terrasse des Restaurants haben Sie einen wundervollen Blick über Dresden.

 

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2 Responses to Wie ein Märchen aus 1001 Nacht – die Dresdner Yenidze

  1. Daniel B. schreibt:

    Die Yenidze ist in der Tat ein besonderes Bauwerk und die Geschichte den meisten Gästen und auch (jungen) Dresdnern unbekannt. Wir können froh sein, dass insbesondere die Kuppel über die DDR-Zeit so erhalten blieb. Ich gebe zu, dass ich sehr lange nicht drin war, was ich mir aber vornehmen werde.

  2. MF schreibt:

    Ich war im Jahr 2009 das erste (und bestimmt nicht letzte) mal in der wunderschönen Stadt Dresden. Das Yenidze Bauwerk hatte ich zwar gesehen aber irgendwie nicht genauer erforscht. Vielen Dank für diese ausführlichen Infos welche in dem MarcoPolo Reiseführer in der Genauigkeit nicht aufgeführt waren. Beim nächsten Besuch Dresdens steht Yenidze definitiv auf meiner „MustSee“-Liste 🙂

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