Wie die Meißner Fummel entstand

Meißner Fummel

Foto: Hutschi, CC BY-SA 3.0

Es geschah zu der Zeit, als in Meißen das Porzellan erfunden war. Tag für Tag brachten berittene Boten die Post vom kurfürstlichen Dresden nach Meißen und auf dem Rückweg transportierten sie edles Meißner Porzellan. Nun dauerte der Weg zur damaligen Zeit zu Pferd recht lang und nicht immer kam die Post beim Empfänger unbeschädigt an. Vor allem das Porzellan litt auf dem Weg nach Dresden. Schnell gerieten die Boten in den Verdacht, dem köstlichen Meißner Wein und den hübschen Mädchen auf dem Weg zu sehr zuzusprechen. Der eine oder andere Bote war dann auf dem Weiterritt zu betrunken um sich auf dem Pferd zu halten und beim Sturz vom selbigen landeten die Reiter nicht selten im Graben. Das teure Porzellan zerbrach in tausend Scherben.

Dem Kurfürsten August der Starke waren die unzuverlässigen Untertanen ein Dorn im Auge. Doch beweisen konnte er seinen Boten die Trunksucht nicht. Empört wiesen die Boten jeden Verdacht von sich und schworen Stein und Bein, das sie ganz sicher nicht dem Weine zusprachen. Hoch und heilig gelobten sie jedes Mal achtsamer mit dem wertvollen Porzellan umzugehen und jedes Mal kamen wieder nur Scherben in Dresden an.

Der Kurfürst hatte schließlich von seinen trinkenden Boten die Nase voll und befahl der Meißner Bäckerzunft ein Backwerk zu erfinden, das so fein und leicht sei, dass es bei Unachtsamkeit sofort zerbrechen würde. Dieses Backwerk sollte den berittenen Boten mitgegeben werden und dieser musste es August dem Starken vorweisen. Und nur, wer die Fummel heil nach Dresden bringe und es dem Kurfürsten im unversehrten Zustand übergab, konnte das Vertrauen des Kurfürsten erringen. Fort an mussten alle sächsischen Kuriere die Meißner Fummel auf ihrem Weg von Meißen nach Dresden bei sich tragen. Wer bei der Ankunft in Dresden keine unversehrte Fummel vorweisen konnte, wurde bestraft.

Die Meißner Fummel ist zerbrechlich

Die eine oder andere Ehefrau mag jetzt mit dem Gedanken spielen, die Meißner Fummel zu Hause nach zu backen und ihrem Mann am Abend, wenn er in den Sportverein geht oder sich mit Freunden trifft, mitzugeben. Zwar ist das Rezept bekannt, aber wie der Hohlraum in den Teig kommt ist ein wohlbehütetes Familienrezept. Urkundlich erwähnt wird die Meißner Fummel das erste Mal im Jahre 1747. Doch bereits seit 1710 soll es das Gebäck geben. Die Meißner Fummel besteht aus nichts anderem als aus Fett, Mehl, etwas Wasser, Salz und einem Eigelb. Durch den eingebackenen Hohlraum ist die Fummel sehr zerbrechlich. Derzeit können Sie die Fummel nur bei einem Meißner Bäcker kaufen, der Konditorei Zieger auf der Burgstraße in Meißen.

Versuchen Sie doch mal, ob Sie die Meißner Fummel sicher und unversehrt nach Hause bekommen.

 

 

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